💧Trinkwasser & Legionellen

Stagnation

Stagnation bezeichnet stehendes Wasser in selten genutzten Leitungen und begünstigt die Vermehrung von Legionellen im Trinkwassersystem

~3 Min. Lesezeit
Stagnation — Illustration

Stagnation bezeichnet Wasser, das über längere Zeit in einer Leitung steht, statt durch Nutzung ausgetauscht zu werden. In der Gastronomie und Hotellerie entsteht das typischerweise durch Saisonbetrieb, leerstehende Zimmer, selten genutzte Nebenräume oder Betriebsferien — überall dort, wo Entnahmestellen längere Zeit nicht geöffnet werden.

Physikalisch ist Stagnation deshalb problematisch, weil sich die Wassertemperatur in der Leitung der Umgebungstemperatur annähert. Bei Warmwasserleitungen kühlt das Wasser dabei häufig genau in den kritischen Bereich zwischen 25 °C und 45 °C ab, in dem sich Legionellen besonders gut vermehren. Gleichzeitig begünstigt stehendes Wasser die Bildung von Biofilmen an den Rohrinnenwänden — dünnen Belägen aus Mikroorganismen —, die den Bakterien zusätzlichen Nährboden bieten.

Kurze Nutzungspausen sind normal und unproblematisch. Kritisch wird es erst bei wiederholter oder länger andauernder Stagnation, etwa an sogenannten Totleitungen, die praktisch nie durchflossen werden.

Technischer Hintergrund

Die allgemein anerkannten Regeln der Technik verlangen einen bestimmungsgemäßen Betrieb der Trinkwasser-Installation. Dazu gehört, dass Wasser an allen Entnahmestellen regelmäßig ausgetauscht wird — auch an solchen, die im Alltag selten genutzt werden. Ist das nicht durch normalen Betrieb sichergestellt, muss der Wasseraustausch aktiv organisiert werden, etwa durch einen festen Spülplan.

Stagnation ist damit kein eigenständiger Rechtsbegriff, sondern eine technische Ursache, die im Zusammenhang mit der Trinkwasserverordnung und der Prävention von Legionellen relevant wird: Sie erhöht das Risiko, bei einer Untersuchung einen auffälligen Befund zu erhalten.

Praxis im Betrieb

SituationEmpfohlene Maßnahme
Zimmer/Bereiche in der Nebensaison leerregelmäßiges Spülen aller Zapfstellen nach Spülplan
Betriebsferien oder SchließzeitSpülung vor Wiedereröffnung, bei längerer Schließung ggf. Beprobung
Selten genutzte Nebenräume, Duschenin den Spülplan aufnehmen oder Entnahmestelle stilllegen

So setzen Sie das im Alltag um:

  • Legen Sie einen Spülplan mit fester Zuständigkeit und Intervall fest — je nach Betrieb üblich wöchentlich für kritische Entnahmestellen.
  • Spülen Sie so lange, bis sich ein spürbarer Temperaturwechsel einstellt, nicht nur kurz den Hahn aufdrehen.
  • Dokumentieren Sie jede Spülung im Betriebstagebuch, inklusive Datum und zuständiger Person — in einem digitalen Betriebstagebuch lässt sich der nächste Spültermin automatisch vormerken.
  • Nehmen Sie leerstehende Zimmer oder Bereiche vor Wiedereröffnung gezielt in die Spülroutine auf.
💡
Tipp: Legen Sie die Zuständigkeit für den Spülplan schriftlich fest — in der Praxis scheitert die Umsetzung meist nicht am Wissen, sondern an einer fehlenden klaren Verantwortlichkeit.

Ausführliche Hintergründe zur Prüfpflicht liefert der Ratgeber Legionellenprüfung im Hotel.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ich selten genutzte Leitungen spülen?

Eine bundesweit einheitliche Vorgabe gibt es nicht — üblich ist ein wöchentliches Spülen kritischer Entnahmestellen, je nach Betrieb und Herstellervorgabe der Anlage. Legen Sie das Intervall gemeinsam mit einem Fachbetrieb fest und halten Sie es in einem Spülplan fest.

Reicht es, kurz den Wasserhahn aufzudrehen?

Nein. Kurzes Aufdrehen tauscht meist nur das Wasser im letzten Leitungsabschnitt aus. Spülen Sie so lange, bis sich am Auslauf ein spürbarer Temperaturwechsel einstellt — das zeigt, dass tatsächlich frisches Wasser aus dem System nachfließt.

Muss ich das Spülen dokumentieren?

Ja, das empfiehlt sich dringend. Im Rahmen des bestimmungsgemäßen Betriebs Ihrer Trinkwasser-Installation sollten Sie Spülungen mit Datum und zuständiger Person festhalten — das erleichtert den Nachweis bei einer Kontrolle oder im Zusammenhang mit einer Legionellenprüfung erheblich.

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