💧Trinkwasser & Legionellen

Legionellen

Legionellen sind Bakterien, die sich in warmem Trinkwasser vermehren und über Aerosole beim Duschen die Legionärskrankheit auslösen können

~3 Min. Lesezeit
Legionellen — Illustration

Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die natürlicherweise in geringer Zahl in Oberflächengewässern und im Grundwasser vorkommen. Kritisch werden sie erst, wenn sie sich in technischen Wassersystemen — Warmwasserspeichern, Rohrleitungen, Duschköpfen — ungehindert vermehren können. Für Betreiber von Hotels, Pensionen und Gastronomiebetrieben mit Gäste- oder Personalduschen ist das Thema deshalb keine akademische Randnotiz, sondern eine konkrete Betreiberpflicht.

Ideale Wachstumsbedingungen liegen zwischen etwa 25 °C und 45 °C — also genau in dem Bereich, den unzureichend beheizte Warmwassersysteme oder stehendes Wasser in selten genutzten Leitungen häufig bieten. Übertragen werden die Bakterien nicht durch Trinken, sondern durch das Einatmen feinster Wassertröpfchen (Aerosole), wie sie beim Duschen oder an Whirlpools entstehen. Beim Menschen können sie eine schwere Lungenentzündung auslösen, die Legionärskrankheit, sowie das mildere, grippeähnliche Pontiac-Fieber. Besonders gefährdet sind ältere und immungeschwächte Personen.

Für Ihren Betrieb bedeutet das: Warmwassersysteme müssen so ausgelegt und betrieben werden, dass eine relevante Vermehrung erst gar nicht entsteht — durch ausreichend hohe Temperaturen und regelmäßige Nutzung aller Leitungsabschnitte.

Technischer Hintergrund

Grundlage für den sicheren Betrieb sind die allgemein anerkannten Regeln der Technik, insbesondere das DVGW-Arbeitsblatt W 551. Es gibt konkrete Zielwerte vor: Am Austritt des Trinkwassererwärmers soll die Temperatur mindestens 60 °C betragen, im Zirkulationssystem darf sie an keiner Stelle dauerhaft unter 55 °C liegen. Ab etwa 70 °C sterben Legionellen zuverlässig ab — dieser Wert kommt bei der thermischen Desinfektion zum Einsatz, wenn eine Anlage saniert werden muss.

Die Trinkwasserverordnung verlangt von Betreibern, ihre Anlage nach diesen anerkannten Regeln der Technik zu errichten und zu betreiben. Wird bei einer Legionellenprüfung der technische Maßnahmenwert überschritten, greift ein gestuftes Verfahren aus Ursachenanalyse, Sofortmaßnahmen und Nachbeprobung.

Praxis im Betrieb

TemperaturbereichEinordnung
unter 20 °CKaltwasser, Vermehrung stark gehemmt
25–45 °Coptimaler Vermehrungsbereich, Risikozone
55–60 °CVermehrung gehemmt, Zielbereich Warmwasser
ab 70 °CLegionellen sterben zuverlässig ab

Im Alltag sollten Sie:

  • Speicher- und Zirkulationstemperaturen regelmäßig messen und die Werte festhalten.
  • selten genutzte Leitungsabschnitte, etwa Zimmer in der Nebensaison, regelmäßig spülen.
  • die Warmwassertemperatur nicht aus Energiespargründen dauerhaft absenken.
  • Befunde und Maßnahmen im Betriebstagebuch dokumentieren — das erleichtert den Nachweis gegenüber dem Gesundheitsamt.
⚠️
Achtung: Eine dauerhaft abgesenkte Warmwassertemperatur erhöht das Legionellenrisiko erheblich und kann bei einem Schadensfall als Pflichtverletzung gewertet werden — mit Folgen bis hin zu Auflagen. Details zu möglichen Konsequenzen finden Sie unter Bußgelder & Strafen.

Eine ausführliche Anleitung zur Prüfpflicht in Beherbergungsbetrieben liefert der Ratgeber Legionellenprüfung im Hotel.

Häufige Fragen

Ist es gefährlich, legionellenhaltiges Wasser zu trinken?

In der Regel nicht: Beim Trinken gelangen Legionellen in den Magen, wo Magensäure sie meist unschädlich macht. Gefährlich wird es erst, wenn feinste Wassertröpfchen eingeatmet werden, etwa beim Duschen oder an Whirlpools. Deshalb zielt die Prävention vor allem auf Warmwassersysteme mit Duschen.

Ab welcher Temperatur sterben Legionellen ab?

Ab etwa 55 bis 60 °C wird die Vermehrung gehemmt, eine zuverlässige Abtötung tritt ab rund 70 °C ein. Deshalb gibt das DVGW-Arbeitsblatt W 551 als Zielwert mindestens 60 °C am Austritt des Trinkwassererwärmers und mindestens 55 °C im Zirkulationssystem vor. Bei einer Sanierung wird häufig eine thermische Desinfektion bei höheren Temperaturen durchgeführt.

Welche Bereiche im Betrieb sind besonders gefährdet?

Am höchsten ist das Risiko in selten genutzten Leitungsabschnitten, etwa in Zimmern außerhalb der Saison, sowie in Warmwasserspeichern mit zu niedriger Temperatur. Auch Duschköpfe und Leitungsenden ohne regelmäßigen Durchfluss begünstigen die Vermehrung. Regelmäßige Nutzung und Kontrolle aller Entnahmestellen senkt das Risiko spürbar.

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