Fettabscheider-Arten: Alle Typen im Überblick (mit Vor- & Nachteilen)

Erdeinbau, Freiaufstellung, unter der Spüle, biologisch — welche Fettabscheider-Art passt zu Ihrem Betrieb? Alle Typen mit Vor- und Nachteilen erklärt.

Aktualisiert am 18.02.2026
~6 Min. Lesezeit

Fettabscheider-Arten: Alle Typen im Überblick

Die richtige Wahl treffen

Fettabscheider ist nicht gleich Fettabscheider. Je nach Betriebsart, Platzangebot und Einbausituation kommen unterschiedliche Typen in Frage. In diesem Artikel stellen wir Ihnen alle gängigen Fettabscheider-Arten vor — mit ihren Vor- und Nachteilen.


1. Fettabscheider im Erdeinbau

Der Erdeinbau ist die häufigste Variante, besonders bei Neubauten und größeren Betrieben.

So funktioniert es

Der Fettabscheider wird im Boden vor dem Gebäude, im Hof oder im Gartenbereich eingebaut. Er liegt unterhalb der Geländeoberkante. Nur die Revisionsschächte (Deckel) sind von oben zugänglich.

Vorteile

  • ✅ Platzsparend — nimmt keinen Raum im Gebäude ein
  • ✅ Geruchsbelästigung minimal — liegt im Freien
  • ✅ Große Nenngrößen möglich (NS 2 bis NS 25+)
  • ✅ Optimal bei Neubauten
  • ✅ Lange Lebensdauer (Beton: 30+ Jahre, PE: 20+ Jahre)

Nachteile

  • ❌ Hohe Einbaukosten (Erdarbeiten, ggf. Grundwasserschutz)
  • ❌ Nachträglicher Einbau aufwändig und teuer
  • ❌ Entsorgung erfordert Saugwagen-Zufahrt
  • ❌ Frostschutz beachten (Mindestabdeckung)

Materialien

  • Beton: Robust, langlebig, schwer, günstiger bei großen Größen
  • Polyethylen (PE): Leichter, korrosionsfrei, einfacher zu transportieren
  • Edelstahl: Selten im Erdeinbau, eher bei Spezialanwendungen

Geeignet für

Restaurants, Hotels, Kantinen, Metzgereien — alle Betriebe mit mittlerem bis hohem Abwasseraufkommen.

Typische Größen

NS 2 bis NS 25 (und größer für Industriebetriebe)


2. Fettabscheider in Freiaufstellung (Innenaufstellung)

Bei der Freiaufstellung wird der Fettabscheider innerhalb des Gebäudes aufgestellt — meist im Keller, in einem Technikraum oder in der Nähe der Küche.

So funktioniert es

Der Fettabscheider steht frei auf dem Boden. Das Abwasser wird über Rohrleitungen zugeführt und nach der Reinigung in die Kanalisation geleitet.

Vorteile

  • ✅ Kein Erdaushub nötig — geringere Einbaukosten
  • ✅ Gut für Nachrüstungen geeignet
  • ✅ Einfacher Zugang für Kontrolle und Wartung
  • ✅ Schnellere Installation

Nachteile

  • ❌ Benötigt Platz im Gebäude
  • ❌ Geruchsbelästigung möglich — gute Belüftung erforderlich
  • ❌ Schallschutz beachten (Ablaufgeräusche)
  • ❌ Zufahrt für Entsorgungsfahrzeug muss gewährleistet sein (Schlauchlänge!)
  • ❌ Statik des Bodens prüfen (voller Fettabscheider ist schwer)

Materialien

  • Edelstahl (V2A/V4A): Standard für Innenaufstellung — hygienisch, langlebig, leicht zu reinigen
  • PE (Polyethylen): Leichter, günstiger, aber weniger robust

Geeignet für

Betriebe in Bestandsgebäuden, bei denen ein Erdeinbau nicht möglich ist. Kleine bis mittlere Betriebe.

Typische Größen

NS 1 bis NS 10


3. Fettabscheider unter der Spüle (Kompaktabscheider)

Für sehr kleine Betriebe gibt es Kompaktabscheider, die direkt unter oder neben der Spüle installiert werden.

So funktioniert es

Der kleine Fettabscheider wird direkt an den Abfluss der Spüle angeschlossen. Das Abwasser fließt durch den Abscheider, bevor es in die Kanalisation gelangt.

Vorteile

  • ✅ Sehr platzsparend
  • ✅ Einfache Installation — oft ohne Fachbetrieb möglich
  • ✅ Günstig in der Anschaffung (ab ca. 300 €)
  • ✅ Ideal für Kleinbetriebe

Nachteile

  • ❌ Nur für sehr geringe Abwassermengen geeignet
  • ❌ Häufigere Entleerung nötig (wöchentlich oder öfter)
  • ❌ Nicht für alle Betriebsarten zulässig
  • ❌ Eingeschränkte Abscheideleistung
  • ❌ Wird von manchen Behörden nicht als normkonform akzeptiert

Geeignet für

Kioske, kleine Cafés, Imbissbuden mit minimaler Fetterzeugung. Achtung: Nicht alle Kommunen akzeptieren Kompaktabscheider. Vorab mit der Behörde klären!

Typische Größen

NS 0,5 bis NS 2


4. Biologischer Fettabscheider

Biologische Fettabscheider nutzen Mikroorganismen (Bakterien), die Fett biologisch abbauen.

So funktioniert es

Zusätzlich zum physikalischen Abscheideprinzip werden dem System Bakterienkulturen zugeführt. Diese Bakterien "fressen" das Fett und wandeln es in Wasser und CO₂ um.

Vorteile

  • ✅ Deutlich längere Entsorgungsintervalle (bis zu 6 Monate statt 4-8 Wochen)
  • ✅ Weniger Geruchsbelästigung
  • ✅ Geringere laufende Entsorgungskosten
  • ✅ Bessere Abscheideleistung

Nachteile

  • ❌ Höhere Anschaffungskosten
  • ❌ Laufende Kosten für Bakterienpräparate und Strom
  • ❌ Empfindlich gegenüber Chemikalien und Desinfektionsmitteln
  • ❌ Nicht alle Produkte halten, was sie versprechen — Qualität prüfen!
  • ❌ Rechtliche Grauzone: Manche Behörden erkennen biologische Systeme nicht als vollwertigen Ersatz an
Wichtig: Ein biologischer Fettabscheider ersetzt nicht die Pflicht zur regelmäßigen Entsorgung und Wartung. Er kann aber die Intervalle verlängern.

Geeignet für

Betriebe, die die Entsorgungskosten senken möchten und bereit sind, in die Anschaffung zu investieren.


5. Fettabscheider mit automatischer Entsorgung

Einige moderne Systeme verfügen über eine automatische Fettentnahme.

So funktioniert es

Ein Timer oder Sensor erkennt, wenn die Fettschicht eine bestimmte Dicke erreicht hat. Das Fett wird dann automatisch in einen separaten Sammelbehälter abgepumpt.

Vorteile

  • ✅ Weniger manuelle Eingriffe nötig
  • ✅ Gleichbleibend gute Abscheideleistung
  • ✅ Geringere Geruchsbelästigung
  • ✅ Automatische Dokumentation möglich

Nachteile

  • ❌ Deutlich höhere Anschaffungskosten
  • ❌ Stromverbrauch
  • ❌ Technik kann ausfallen — regelmäßige Wartung der Automatik nötig
  • ❌ Ersetzt nicht die professionelle Entsorgung

Geeignet für

Größere Betriebe mit hohem Fettaufkommen, die den Wartungsaufwand minimieren möchten.


Vergleichstabelle: Alle Fettabscheider-Arten

KriteriumErdeinbauFreiaufstellungUnter SpüleBiologischAutomatisch
Anschaffung3.000–15.000 €2.000–10.000 €300–1.500 €5.000–20.000 €8.000–25.000 €
EinbaukostenHoch (Erdarbeiten)MittelGeringMittel–HochMittel–Hoch
PlatzbedarfAußenInnenMinimalInnen/AußenInnen/Außen
Entsorgungsintervall4–8 Wochen4–8 Wochen1–2 Wochen3–6 Monate4–8 Wochen (automatisch)
WartungsaufwandMittelMittelHoch (häufig)MittelGering–Mittel
GeruchsrisikoGeringMittel–HochMittelGeringGering
NenngrößenNS 2–25+NS 1–10NS 0,5–2NS 1–15NS 2–15
NachrüstungAufwändigGut möglichEinfachMöglichMöglich

Welcher Fettabscheider passt zu meinem Betrieb?

Entscheidungshilfe:

Wählen Sie Erdeinbau, wenn:

  • Sie neu bauen oder umbauen
  • Ausreichend Außenfläche vorhanden ist
  • Der Betrieb mittleres bis hohes Abwasseraufkommen hat

Wählen Sie Freiaufstellung, wenn:

  • Kein Erdeinbau möglich ist (Bestandsgebäude, kein Außenbereich)
  • Ein geeigneter Raum im Gebäude vorhanden ist
  • Sie nachrüsten müssen

Wählen Sie einen Kompaktabscheider, wenn:

  • Ihr Betrieb sehr klein ist (Kiosk, kleines Café)
  • Das Fettaufkommen minimal ist
  • Die Behörde diesen Typ akzeptiert

Wählen Sie biologisch, wenn:

  • Sie langfristig Entsorgungskosten sparen möchten
  • Sie die höheren Anfangsinvestitionen tragen können
  • Ihr Betrieb empfindlich auf Gerüche reagiert (z.B. Hotel)
Empfehlung: Lassen Sie sich immer von einem Fachplaner oder WHG-Fachbetrieb beraten. Die richtige Wahl hängt von vielen Faktoren ab — Grundstück, Gebäude, Betriebsart, Abwassermenge und lokale Vorschriften.

Häufige Fragen

Kann ich den Fettabscheider-Typ selbst wählen?

Grundsätzlich ja, aber die Nenngröße und die Normkonformität müssen stimmen. Manche Kommunen haben zusätzliche Vorgaben. Klären Sie die Auswahl mit Ihrer Behörde.

Wie lange hält ein Fettabscheider?

  • Beton: 25–40 Jahre
  • Edelstahl: 20–30 Jahre
  • PE/Kunststoff: 15–25 Jahre
  • Kompaktabscheider: 10–15 Jahre

Die tatsächliche Lebensdauer hängt stark von der Wartung ab.

Kann ich einen gebrauchten Fettabscheider einbauen?

Theoretisch möglich, aber nicht empfehlenswert. Gebrauchte Fettabscheider müssen vor dem Einbau geprüft werden, und die Gewährleistung entfällt. Bei der Generalinspektion werden Mängel schnell sichtbar.


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