Eigenkontrolle Fettabscheider: Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Checkliste
Warum die Eigenkontrolle so wichtig ist
Die monatliche Eigenkontrolle ist keine freiwillige Empfehlung — sie ist gesetzliche Pflicht nach DIN 4040-100. Als Betreiber eines Fettabscheiders sind Sie dafür verantwortlich, dass Ihre Anlage ordnungsgemäß funktioniert. Die Eigenkontrolle stellt sicher, dass Störungen frühzeitig erkannt werden, bevor sie zu teuren Reparaturen, Bußgeldern oder Umweltschäden führen.
Merke: Die Eigenkontrolle muss mindestens einmal monatlich durchgeführt werden. Bei Betrieben mit hohem Fettanfall (z. B. Frittierrestaurants, Metzgereien) kann eine häufigere Kontrolle — etwa alle 14 Tage — sinnvoll oder sogar behördlich vorgeschrieben sein.
Rechtliche Grundlage
Die Pflicht zur Eigenkontrolle ergibt sich aus mehreren Vorschriften:
- DIN 4040-100, Abschnitt 13 — definiert die Eigenkontrolle als Pflicht des Betreibers und legt den Mindestumfang fest
- DIN EN 1825 — die europäische Norm verweist auf regelmäßige Überprüfungen
- AwSV (Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen) — verlangt den ordnungsgemäßen Betrieb
- Kommunale Entwässerungssatzungen — viele Kommunen schreiben die Eigenkontrolle und deren Dokumentation explizit vor
Die Ergebnisse jeder Eigenkontrolle müssen im Betriebstagebuch dokumentiert werden.
Wer darf die Eigenkontrolle durchführen?
Die Eigenkontrolle darf vom Betreiber selbst oder einer von ihm beauftragten Person durchgeführt werden. Es ist keine spezielle Zertifizierung erforderlich — anders als bei der jährlichen Wartung oder der Generalinspektion.
Voraussetzungen:
- Die Person muss in die Bedienung der Anlage eingewiesen sein
- Sie muss wissen, worauf zu achten ist (diese Anleitung hilft dabei)
- Sie muss die Ergebnisse korrekt dokumentieren können
Tipp: Benennen Sie einen festen Verantwortlichen im Betrieb und einen Vertreter. So geht die Kontrolle nie unter.
Was Sie für die Eigenkontrolle benötigen
Halten Sie folgende Materialien bereit:
- Betriebstagebuch oder digitales Dokumentationssystem
- Taschenlampe — zur Sichtkontrolle im Inneren der Kammern
- Meterstab oder Peilstab — zur Messung der Fettschichtdicke
- Schutzhandschuhe (fettbeständig)
- Stift und Klemmbrett — oder Smartphone für digitale Dokumentation
- Werkzeug zum Öffnen der Abdeckungen (je nach Modell)
- Reinigungstücher — zum Abwischen nach der Kontrolle
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Sicherheit beachten
Bevor Sie den Fettabscheider öffnen:
- Sorgen Sie für ausreichende Belüftung — in geschlossenen Räumen können sich Gase bilden (Schwefelwasserstoff!)
- Tragen Sie Schutzhandschuhe und ggf. eine Schutzbrille
- Stellen Sie sicher, dass kein Abwasser gerade zufließt (koordinieren Sie mit der Küche)
- Betreten Sie niemals den Fettabscheider
- Bei unterirdisch eingebauten Anlagen: Achten Sie auf sichere Standflächen
Warnung: Schwefelwasserstoff (H₂S), der sich in Fettabscheidern bilden kann, ist in hoher Konzentration lebensgefährlich. Öffnen Sie den Deckel vorsichtig und lassen Sie die Anlage einige Minuten belüften, bevor Sie hineinsehen.
Schritt 2: Deckel und Zulauf prüfen
- Öffnen Sie die Abdeckung(en) des Fettabscheiders
- Prüfen Sie die Dichtungen der Deckel auf Beschädigungen
- Kontrollieren Sie, ob die Deckel fest und dicht schließen
- Prüfen Sie den Zulaufbereich auf Verstopfungen oder Fremdkörper
- Achten Sie auf sichtbare Undichtigkeiten an Rohren und Anschlüssen
Schritt 3: Schlammfang kontrollieren
Der Schlammfang ist die erste Kammer Ihres Fettabscheiders:
- Prüfen Sie den Schlammstand — ist der Schlammfang mehr als zu 50 % gefüllt, muss zeitnah entsorgt werden
- Achten Sie auf ungewöhnliche Ablagerungen oder Fremdkörper (Besteck, Verpackungen, Lappen)
- Kontrollieren Sie den Zulauf in den Schlammfang auf freien Durchfluss
- Notieren Sie den geschätzten oder gemessenen Füllstand
Schritt 4: Fettschicht messen
Dies ist der wichtigste Prüfpunkt der Eigenkontrolle:
- Verwenden Sie einen Peilstab oder Meterstab, um die Dicke der Fettschicht an der Oberfläche zu messen
- Tauchen Sie den Stab langsam ein und ziehen Sie ihn vorsichtig heraus — die Fettschicht ist am Stab sichtbar
- Dokumentieren Sie die Dicke in Zentimetern im Betriebstagebuch
Grenzwerte:
- Bei den meisten Anlagen darf die Fettschicht maximal 80 % des Speichervolumens erreichen
- Faustregel: Ist die Fettschicht dicker als 15 cm (je nach Anlagengröße), sollten Sie eine Entsorgung veranlassen
- Beachten Sie die herstellerspezifischen Angaben — diese können abweichen
Wichtig: Warten Sie nicht, bis der Grenzwert erreicht ist. Je voller der Fettabscheider, desto schlechter arbeitet er. Eine frühzeitige Entsorgung schützt die Umwelt und spart langfristig Kosten.
Schritt 5: Ablauf und Probenahmestelle prüfen
- Kontrollieren Sie den Ablauf — fließt das Wasser ungehindert ab?
- Prüfen Sie die Probenahmestelle auf Zugänglichkeit und einwandfreien Zustand
- Achten Sie darauf, dass der Ablauf frei von Fett ist — sichtbares Fett im Ablauf deutet auf eine Überfüllung oder Störung hin
Schritt 6: Geruch beurteilen
- Moderater Geruch ist normal
- Starker, fauliger Geruch deutet auf anaerobe Zersetzungsprozesse hin — die Anlage muss zeitnah entsorgt werden
- Tipp: Wenn der Geruch zwischen den Entsorgungen deutlich zunimmt, verkürzen Sie die Entsorgungsintervalle oder lesen Sie unsere Tipps gegen Geruch
Schritt 7: Automatische Komponenten prüfen (falls vorhanden)
Wenn Ihre Anlage über automatische Systeme verfügt:
- Automatische Hebeanlage: Funktioniert der Schwimmer? Springt die Pumpe an?
- Fettschichtdicken-Sensor: Stimmt der angezeigte Wert mit der manuellen Messung überein?
- Alarmanlage: Testen Sie den Alarm (falls eine Testfunktion vorhanden ist)
- Dosieranlage: Ist genug Additiv vorhanden? Funktioniert die Dosierung?
Schritt 8: Umgebung kontrollieren
- Prüfen Sie den Boden um den Fettabscheider herum auf Feuchtigkeit oder Fettspuren (Hinweis auf Undichtigkeit)
- Kontrollieren Sie die Be- und Entlüftung — Lüftungsrohre müssen frei sein
- Achten Sie darauf, dass der Zugang zur Anlage frei und sicher ist (keine Gegenstände darauf abstellen!)
- Bei unterirdischen Anlagen: Ist die Schachtabdeckung in Ordnung?
Schritt 9: Ergebnisse dokumentieren
Tragen Sie alle Ergebnisse unverzüglich im Betriebstagebuch ein:
- Datum und Uhrzeit der Kontrolle
- Name des Kontrolleurs
- Fettschichtdicke (gemessen)
- Schlammfüllstand (geschätzt oder gemessen)
- Festgestellte Mängel oder Auffälligkeiten
- Eingeleitete Maßnahmen (z. B. „Entsorgung beauftragt")
- Gesamtbewertung: „in Ordnung" oder „Maßnahme erforderlich"
Schritt 10: Maßnahmen einleiten
Falls Sie Mängel festgestellt haben:
- Sofort handeln bei: Überlauf, starker Geruchsbelästigung, sichtbaren Undichtigkeiten → siehe Notfall-Ratgeber
- Zeitnah handeln bei: hohem Fettstand, verschlissenen Dichtungen, eingeschränkter Funktion automatischer Komponenten
- Bei der nächsten Wartung ansprechen bei: kleinen Auffälligkeiten, optischen Mängeln
Checkliste für die monatliche Eigenkontrolle
Nutzen Sie diese Checkliste bei jeder Eigenkontrolle. Sie können Sie auch ausdrucken — eine druckfertige Version finden Sie unter Monatliche Checkliste.
| Nr. | Prüfpunkt | Ergebnis (OK/Mangel) |
|---|---|---|
| 1 | Deckel und Dichtungen intakt | ☐ OK ☐ Mangel |
| 2 | Zulauf frei und ohne Verstopfung | ☐ OK ☐ Mangel |
| 3 | Schlammfang-Füllstand unter 50 % | ☐ OK ☐ Mangel |
| 4 | Fettschichtdicke gemessen: ___ cm | ☐ OK ☐ Mangel |
| 5 | Fettschicht unter Grenzwert | ☐ OK ☐ Mangel |
| 6 | Ablauf frei und fettfrei | ☐ OK ☐ Mangel |
| 7 | Probenahmestelle zugänglich und intakt | ☐ OK ☐ Mangel |
| 8 | Geruch im normalen Bereich | ☐ OK ☐ Mangel |
| 9 | Automatische Systeme funktionsfähig | ☐ OK ☐ Mangel ☐ n.z. |
| 10 | Umgebung trocken und sauber | ☐ OK ☐ Mangel |
| 11 | Belüftung frei | ☐ OK ☐ Mangel |
| 12 | Zugang zur Anlage frei | ☐ OK ☐ Mangel |
Häufige Fehler bei der Eigenkontrolle
Vermeiden Sie diese typischen Fehler — mehr dazu in unserem Artikel Häufige Fehler:
- Kontrolle nur „auf dem Papier" — Tragen Sie nicht einfach „alles OK" ein, ohne tatsächlich nachgeschaut zu haben
- Fettschicht nicht gemessen — Eine Sichtprüfung reicht nicht, messen Sie die Schichtdicke
- Ergebnisse nicht dokumentiert — Ohne Eintrag im Betriebstagebuch gilt die Kontrolle als nicht durchgeführt
- Zu seltene Kontrolle — Mindestens einmal pro Monat, bei hohem Fettanfall häufiger
- Schutzausrüstung vergessen — Fettabscheider enthalten Bakterien und können giftige Gase bilden
Unterschied: Eigenkontrolle, Wartung und Generalinspektion
| Eigenkontrolle | Wartung | Generalinspektion | |
|---|---|---|---|
| Häufigkeit | Monatlich | Jährlich (mind. halbjährlich bei DIN EN 1825) | Alle 5 Jahre |
| Durchführung | Betreiber selbst | Fachkundiger oder Fachbetrieb | Sachverständiger / WHG-Fachbetrieb |
| Umfang | Sichtkontrolle, Messung | Technische Prüfung aller Komponenten | Vollständige Überprüfung inkl. Dichtheitsprüfung |
| Dokumentation | Betriebstagebuch | Wartungsprotokoll | Inspektionsbericht |
| Kosten | Keine (Eigenleistung) | ca. 200–500 € | ca. 500–1.500 € |
→ Details: Wartung | Generalinspektion
Tipps für die Praxis
- Festen Tag im Monat festlegen (z. B. jeden ersten Montag) — so wird die Kontrolle zur Routine
- Erinnerung im Kalender oder in Ihrer Betriebssoftware einrichten
- Fotos machen — ein Foto der Fettschicht bei jeder Kontrolle hilft, Veränderungen zu erkennen
- Kontrolle mit der Reinigung verbinden — nach der Kontrolle gleich den Bereich um den Abscheider sauber halten
- Team einweisen — mindestens zwei Personen im Betrieb sollten die Eigenkontrolle durchführen können
Was passiert, wenn Sie die Eigenkontrolle nicht durchführen?
- Die Untere Wasserbehörde kann bei einer Kontrolle Bußgelder verhängen — Details unter Bußgelder und Strafen
- Ohne dokumentierte Eigenkontrolle fehlt Ihnen der Nachweis ordnungsgemäßen Betriebs
- Im Schadensfall (z. B. Gewässerverschmutzung) haften Sie als Betreiber verschärft
- Ihre Versicherung kann Leistungen kürzen oder verweigern, wenn die Eigenkontrolle nicht nachweisbar ist
Fazit
Die monatliche Eigenkontrolle ist kein großer Aufwand — rechnen Sie mit 15–30 Minuten pro Durchgang. Dieser kleine Zeitaufwand schützt Sie vor Bußgeldern, hohen Reparaturkosten und Umweltschäden. Mit unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung und der Checkliste haben Sie alles, was Sie brauchen.
Nächste Schritte:
Kostenlose Betriebstagebuch-Vorlage (PDF)
12 Monats-Eigenkontrollen, Entsorgungsnachweise mit AVV-Schlüssel und Wartungsprotokoll — druckfertig nach DIN 4040-100.
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