Eigenkontrolle Fettabscheider: Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Checkliste

Erfahren Sie, wie Sie die monatliche Eigenkontrolle Ihres Fettabscheiders korrekt durchführen. Mit detaillierter Schritt-für-Schritt-Anleitung und Checkliste.

Aktualisiert am 18.02.2026
~8 Min. Lesezeit

Eigenkontrolle Fettabscheider: Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Checkliste

Warum die Eigenkontrolle so wichtig ist

Die monatliche Eigenkontrolle ist keine freiwillige Empfehlung — sie ist gesetzliche Pflicht nach DIN 4040-100. Als Betreiber eines Fettabscheiders sind Sie dafür verantwortlich, dass Ihre Anlage ordnungsgemäß funktioniert. Die Eigenkontrolle stellt sicher, dass Störungen frühzeitig erkannt werden, bevor sie zu teuren Reparaturen, Bußgeldern oder Umweltschäden führen.

Merke: Die Eigenkontrolle muss mindestens einmal monatlich durchgeführt werden. Bei Betrieben mit hohem Fettanfall (z. B. Frittierrestaurants, Metzgereien) kann eine häufigere Kontrolle — etwa alle 14 Tage — sinnvoll oder sogar behördlich vorgeschrieben sein.

Rechtliche Grundlage

Die Pflicht zur Eigenkontrolle ergibt sich aus mehreren Vorschriften:

  • DIN 4040-100, Abschnitt 13 — definiert die Eigenkontrolle als Pflicht des Betreibers und legt den Mindestumfang fest
  • DIN EN 1825 — die europäische Norm verweist auf regelmäßige Überprüfungen
  • AwSV (Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen) — verlangt den ordnungsgemäßen Betrieb
  • Kommunale Entwässerungssatzungen — viele Kommunen schreiben die Eigenkontrolle und deren Dokumentation explizit vor

Die Ergebnisse jeder Eigenkontrolle müssen im Betriebstagebuch dokumentiert werden.


Wer darf die Eigenkontrolle durchführen?

Die Eigenkontrolle darf vom Betreiber selbst oder einer von ihm beauftragten Person durchgeführt werden. Es ist keine spezielle Zertifizierung erforderlich — anders als bei der jährlichen Wartung oder der Generalinspektion.

Voraussetzungen:

  • Die Person muss in die Bedienung der Anlage eingewiesen sein
  • Sie muss wissen, worauf zu achten ist (diese Anleitung hilft dabei)
  • Sie muss die Ergebnisse korrekt dokumentieren können
Tipp: Benennen Sie einen festen Verantwortlichen im Betrieb und einen Vertreter. So geht die Kontrolle nie unter.

Was Sie für die Eigenkontrolle benötigen

Halten Sie folgende Materialien bereit:

  1. Betriebstagebuch oder digitales Dokumentationssystem
  2. Taschenlampe — zur Sichtkontrolle im Inneren der Kammern
  3. Meterstab oder Peilstab — zur Messung der Fettschichtdicke
  4. Schutzhandschuhe (fettbeständig)
  5. Stift und Klemmbrett — oder Smartphone für digitale Dokumentation
  6. Werkzeug zum Öffnen der Abdeckungen (je nach Modell)
  7. Reinigungstücher — zum Abwischen nach der Kontrolle

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Schritt 1: Sicherheit beachten

Bevor Sie den Fettabscheider öffnen:

  • Sorgen Sie für ausreichende Belüftung — in geschlossenen Räumen können sich Gase bilden (Schwefelwasserstoff!)
  • Tragen Sie Schutzhandschuhe und ggf. eine Schutzbrille
  • Stellen Sie sicher, dass kein Abwasser gerade zufließt (koordinieren Sie mit der Küche)
  • Betreten Sie niemals den Fettabscheider
  • Bei unterirdisch eingebauten Anlagen: Achten Sie auf sichere Standflächen
Warnung: Schwefelwasserstoff (H₂S), der sich in Fettabscheidern bilden kann, ist in hoher Konzentration lebensgefährlich. Öffnen Sie den Deckel vorsichtig und lassen Sie die Anlage einige Minuten belüften, bevor Sie hineinsehen.

Schritt 2: Deckel und Zulauf prüfen

  • Öffnen Sie die Abdeckung(en) des Fettabscheiders
  • Prüfen Sie die Dichtungen der Deckel auf Beschädigungen
  • Kontrollieren Sie, ob die Deckel fest und dicht schließen
  • Prüfen Sie den Zulaufbereich auf Verstopfungen oder Fremdkörper
  • Achten Sie auf sichtbare Undichtigkeiten an Rohren und Anschlüssen

Schritt 3: Schlammfang kontrollieren

Der Schlammfang ist die erste Kammer Ihres Fettabscheiders:

  • Prüfen Sie den Schlammstand — ist der Schlammfang mehr als zu 50 % gefüllt, muss zeitnah entsorgt werden
  • Achten Sie auf ungewöhnliche Ablagerungen oder Fremdkörper (Besteck, Verpackungen, Lappen)
  • Kontrollieren Sie den Zulauf in den Schlammfang auf freien Durchfluss
  • Notieren Sie den geschätzten oder gemessenen Füllstand

Schritt 4: Fettschicht messen

Dies ist der wichtigste Prüfpunkt der Eigenkontrolle:

  • Verwenden Sie einen Peilstab oder Meterstab, um die Dicke der Fettschicht an der Oberfläche zu messen
  • Tauchen Sie den Stab langsam ein und ziehen Sie ihn vorsichtig heraus — die Fettschicht ist am Stab sichtbar
  • Dokumentieren Sie die Dicke in Zentimetern im Betriebstagebuch

Grenzwerte:

  • Bei den meisten Anlagen darf die Fettschicht maximal 80 % des Speichervolumens erreichen
  • Faustregel: Ist die Fettschicht dicker als 15 cm (je nach Anlagengröße), sollten Sie eine Entsorgung veranlassen
  • Beachten Sie die herstellerspezifischen Angaben — diese können abweichen
Wichtig: Warten Sie nicht, bis der Grenzwert erreicht ist. Je voller der Fettabscheider, desto schlechter arbeitet er. Eine frühzeitige Entsorgung schützt die Umwelt und spart langfristig Kosten.

Schritt 5: Ablauf und Probenahmestelle prüfen

  • Kontrollieren Sie den Ablauf — fließt das Wasser ungehindert ab?
  • Prüfen Sie die Probenahmestelle auf Zugänglichkeit und einwandfreien Zustand
  • Achten Sie darauf, dass der Ablauf frei von Fett ist — sichtbares Fett im Ablauf deutet auf eine Überfüllung oder Störung hin

Schritt 6: Geruch beurteilen

  • Moderater Geruch ist normal
  • Starker, fauliger Geruch deutet auf anaerobe Zersetzungsprozesse hin — die Anlage muss zeitnah entsorgt werden
  • Tipp: Wenn der Geruch zwischen den Entsorgungen deutlich zunimmt, verkürzen Sie die Entsorgungsintervalle oder lesen Sie unsere Tipps gegen Geruch

Schritt 7: Automatische Komponenten prüfen (falls vorhanden)

Wenn Ihre Anlage über automatische Systeme verfügt:

  • Automatische Hebeanlage: Funktioniert der Schwimmer? Springt die Pumpe an?
  • Fettschichtdicken-Sensor: Stimmt der angezeigte Wert mit der manuellen Messung überein?
  • Alarmanlage: Testen Sie den Alarm (falls eine Testfunktion vorhanden ist)
  • Dosieranlage: Ist genug Additiv vorhanden? Funktioniert die Dosierung?

Schritt 8: Umgebung kontrollieren

  • Prüfen Sie den Boden um den Fettabscheider herum auf Feuchtigkeit oder Fettspuren (Hinweis auf Undichtigkeit)
  • Kontrollieren Sie die Be- und Entlüftung — Lüftungsrohre müssen frei sein
  • Achten Sie darauf, dass der Zugang zur Anlage frei und sicher ist (keine Gegenstände darauf abstellen!)
  • Bei unterirdischen Anlagen: Ist die Schachtabdeckung in Ordnung?

Schritt 9: Ergebnisse dokumentieren

Tragen Sie alle Ergebnisse unverzüglich im Betriebstagebuch ein:

  • Datum und Uhrzeit der Kontrolle
  • Name des Kontrolleurs
  • Fettschichtdicke (gemessen)
  • Schlammfüllstand (geschätzt oder gemessen)
  • Festgestellte Mängel oder Auffälligkeiten
  • Eingeleitete Maßnahmen (z. B. „Entsorgung beauftragt")
  • Gesamtbewertung: „in Ordnung" oder „Maßnahme erforderlich"

Schritt 10: Maßnahmen einleiten

Falls Sie Mängel festgestellt haben:

  • Sofort handeln bei: Überlauf, starker Geruchsbelästigung, sichtbaren Undichtigkeiten → siehe Notfall-Ratgeber
  • Zeitnah handeln bei: hohem Fettstand, verschlissenen Dichtungen, eingeschränkter Funktion automatischer Komponenten
  • Bei der nächsten Wartung ansprechen bei: kleinen Auffälligkeiten, optischen Mängeln

Checkliste für die monatliche Eigenkontrolle

Nutzen Sie diese Checkliste bei jeder Eigenkontrolle. Sie können Sie auch ausdrucken — eine druckfertige Version finden Sie unter Monatliche Checkliste.

Nr.PrüfpunktErgebnis (OK/Mangel)
1Deckel und Dichtungen intakt☐ OK ☐ Mangel
2Zulauf frei und ohne Verstopfung☐ OK ☐ Mangel
3Schlammfang-Füllstand unter 50 %☐ OK ☐ Mangel
4Fettschichtdicke gemessen: ___ cm☐ OK ☐ Mangel
5Fettschicht unter Grenzwert☐ OK ☐ Mangel
6Ablauf frei und fettfrei☐ OK ☐ Mangel
7Probenahmestelle zugänglich und intakt☐ OK ☐ Mangel
8Geruch im normalen Bereich☐ OK ☐ Mangel
9Automatische Systeme funktionsfähig☐ OK ☐ Mangel ☐ n.z.
10Umgebung trocken und sauber☐ OK ☐ Mangel
11Belüftung frei☐ OK ☐ Mangel
12Zugang zur Anlage frei☐ OK ☐ Mangel

Häufige Fehler bei der Eigenkontrolle

Vermeiden Sie diese typischen Fehler — mehr dazu in unserem Artikel Häufige Fehler:

  1. Kontrolle nur „auf dem Papier" — Tragen Sie nicht einfach „alles OK" ein, ohne tatsächlich nachgeschaut zu haben
  2. Fettschicht nicht gemessen — Eine Sichtprüfung reicht nicht, messen Sie die Schichtdicke
  3. Ergebnisse nicht dokumentiert — Ohne Eintrag im Betriebstagebuch gilt die Kontrolle als nicht durchgeführt
  4. Zu seltene Kontrolle — Mindestens einmal pro Monat, bei hohem Fettanfall häufiger
  5. Schutzausrüstung vergessen — Fettabscheider enthalten Bakterien und können giftige Gase bilden

Unterschied: Eigenkontrolle, Wartung und Generalinspektion

EigenkontrolleWartungGeneralinspektion
HäufigkeitMonatlichJährlich (mind. halbjährlich bei DIN EN 1825)Alle 5 Jahre
DurchführungBetreiber selbstFachkundiger oder FachbetriebSachverständiger / WHG-Fachbetrieb
UmfangSichtkontrolle, MessungTechnische Prüfung aller KomponentenVollständige Überprüfung inkl. Dichtheitsprüfung
DokumentationBetriebstagebuchWartungsprotokollInspektionsbericht
KostenKeine (Eigenleistung)ca. 200–500 €ca. 500–1.500 €

→ Details: Wartung | Generalinspektion


Tipps für die Praxis

  • Festen Tag im Monat festlegen (z. B. jeden ersten Montag) — so wird die Kontrolle zur Routine
  • Erinnerung im Kalender oder in Ihrer Betriebssoftware einrichten
  • Fotos machen — ein Foto der Fettschicht bei jeder Kontrolle hilft, Veränderungen zu erkennen
  • Kontrolle mit der Reinigung verbinden — nach der Kontrolle gleich den Bereich um den Abscheider sauber halten
  • Team einweisen — mindestens zwei Personen im Betrieb sollten die Eigenkontrolle durchführen können

Was passiert, wenn Sie die Eigenkontrolle nicht durchführen?

  • Die Untere Wasserbehörde kann bei einer Kontrolle Bußgelder verhängen — Details unter Bußgelder und Strafen
  • Ohne dokumentierte Eigenkontrolle fehlt Ihnen der Nachweis ordnungsgemäßen Betriebs
  • Im Schadensfall (z. B. Gewässerverschmutzung) haften Sie als Betreiber verschärft
  • Ihre Versicherung kann Leistungen kürzen oder verweigern, wenn die Eigenkontrolle nicht nachweisbar ist

Fazit

Die monatliche Eigenkontrolle ist kein großer Aufwand — rechnen Sie mit 15–30 Minuten pro Durchgang. Dieser kleine Zeitaufwand schützt Sie vor Bußgeldern, hohen Reparaturkosten und Umweltschäden. Mit unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung und der Checkliste haben Sie alles, was Sie brauchen.

Nächste Schritte:

Kostenlose Betriebstagebuch-Vorlage (PDF)

12 Monats-Eigenkontrollen, Entsorgungsnachweise mit AVV-Schlüssel und Wartungsprotokoll — druckfertig nach DIN 4040-100.

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