🌡️HACCP & Lebensmittelhygiene

Kerntemperatur

Die Kerntemperatur ist die Temperatur im Inneren eines Lebensmittels und entscheidet, ob ein Gargut sicher durcherhitzt ist.

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Kerntemperatur — Illustration

Die Kerntemperatur ist die Temperatur, die im dicksten, am schlechtesten durchwärmten Punkt eines Lebensmittels herrscht – meist die geometrische Mitte eines Stücks Fleisch oder Geflügel. Sie unterscheidet sich von der Oberflächentemperatur, die durch Anbraten oder kurzes Erhitzen schnell hohe Werte erreicht, ohne dass das Innere ausreichend gegart ist.

Für Gastronomiebetriebe ist die Kerntemperatur die entscheidende Messgröße beim Garen, weil krankmachende Keime wie Salmonellen oder Campylobacter vor allem im Kern eines Produkts überleben können, wenn die Hitze dort nicht ankommt. Das betrifft besonders Hackfleisch, Geflügel und andere Produkte, bei denen Keime durch den Zerkleinerungs- oder Verarbeitungsprozess ins Innere gelangt sein können.

Anders als bei der reinen Gardauer oder der Backofentemperatur lässt sich anhand der Kerntemperatur objektiv nachweisen, dass ein Gargut sicher durcherhitzt wurde – unabhängig davon, wie das Gerät eingestellt war oder wie lange gegart wurde.

Technischer Hintergrund

Gemessen wird die Kerntemperatur mit einem Einstichthermometer, das an der dicksten Stelle des Produkts eingestochen wird, ohne Knochen oder Fettschichten zu berühren – beide verfälschen die Anzeige. Bei sehr kleinen oder dünnen Produkten kann eine seitliche Einführung notwendig sein, um wirklich den Kernbereich zu erfassen.

Als anerkannte fachliche Empfehlung gilt eine Kerntemperatur von mindestens 72 °C für mindestens zwei Minuten, um eine sichere Abtötung relevanter Krankheitserreger zu erreichen. Dieser Wert ist kein in einem einzelnen Paragraphen fest kodifizierter Grenzwert, sondern eine in Fachleitfäden und der Praxis etablierte Orientierungsgröße im Rahmen der HACCP-Pflicht.

Innerhalb eines HACCP-Konzepts ist das Garen typischerweise ein kritischer Lenkungspunkt (CCP): Die Kerntemperatur ist hier der messbare Grenzwert, dessen Einhaltung überwacht und dokumentiert werden muss.

Praxis im Betrieb

Eine zuverlässige Kerntemperaturmessung braucht ein kalibriertes Einstichthermometer und eine feste Routine:

SchrittWorauf zu achten ist
Messstelle wählenDickste Stelle des Produkts, nicht an Knochen oder Fettschichten
MesszeitpunktGegen Ende der Garzeit, vor der Ausgabe
Thermometer reinigenNach jeder Messung, um Kreuzkontamination zu vermeiden
DokumentationProdukt, Wert, Uhrzeit, verantwortliche Person festhalten
💡
Tipp: Kalibrieren Sie Ihre Einstichthermometer regelmäßig gegen Eiswasser (0 °C) und kochendes Wasser (100 °C) und notieren Sie das Kalibrierdatum – ein unkalibriertes Thermometer entwertet jede noch so sorgfältige Messung.
⚠️
Achtung: Besonders bei Hackfleischprodukten wie Frikadellen oder Burgerpatties reicht eine gebräunte Oberfläche nicht als Nachweis für sicheres Garen. Nur die tatsächlich gemessene Kerntemperatur zeigt, ob das Produkt durchgegart ist.

Ausführliche Richtwerte für weitere Temperaturbereiche in der Küche finden Sie im Fachartikel HACCP-Temperaturkontrolle in der Gastronomie.

Häufige Fragen

Welche Kerntemperatur gilt als sicher?

Als anerkannte Empfehlung gelten mindestens 72 °C für mindestens zwei Minuten, um relevante Krankheitserreger sicher abzutöten. Bei einzelnen Produkten können Fachleitfäden abweichende Werte nennen – im Zweifel ist der höhere, längere Wert die sicherere Wahl.

Warum ist die Kerntemperatur bei Hackfleisch besonders wichtig?

Beim Wolfen von Fleisch können Keime von der Oberfläche ins Innere des Produkts gelangen. Anders als bei einem Steak, bei dem meist nur die Oberfläche belastet ist, muss bei Hackfleisch deshalb auch der Kern zuverlässig durcherhitzt werden.

Reicht es, die Backofen- oder Grilltemperatur zu kontrollieren?

Nein. Die Gerätetemperatur sagt nichts darüber aus, welche Temperatur tatsächlich im Produkt ankommt. Nur eine direkte Messung mit dem Einstichthermometer im Produktkern liefert einen verlässlichen Nachweis für sicheres Garen.

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