Die Nenngröße Ihres Fettabscheiders entscheidet darüber, ob Ihre Anlage dauerhaft zuverlässig arbeitet – oder ob Sie sich Ärger mit der Abwasserbehörde, Kanalgeruch oder kostspieligen Nachrüstungen einhandeln. Zu klein dimensioniert, läuft der Abscheider über und kann nicht ausreichend reinigen; zu großzügig gewählt, entstehen unnötige Investitions- und Wartungskosten. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen, wie die Bemessung nach geltendem Normenstand funktioniert und welche Nenngrößen für typische Betriebe in Frage kommen.
Einen ersten Überblick über alle relevanten Themen rund um Fettabscheider finden Sie im Fettabscheideranlage – der komplette Ratgeber.
Was bedeutet Nenngröße (NS)?
Die Nenngröße (NS) ist die zentrale Kennzahl für Fettabscheider nach der europäischen Norm DIN EN 1825. Sie beschreibt den nominalen Volumenstrom in Litern pro Sekunde (l/s), den ein Abscheider unter definierten Bedingungen sicher behandeln kann – also die Menge an Schmutzwasser, die pro Sekunde durch die Anlage fließen darf, ohne dass Fette in den Kanal gelangen.
Übliche Nenngrößen im Markt sind:
- NS 1, NS 2, NS 4 – für kleine Betriebe, Einzelküchen, Imbisse
- NS 7, NS 10 – für mittlere Restaurants und Cateringbetriebe
- NS 15, NS 20 – für Großküchen, Kantinen, Hotelküchen
- NS 25, NS 30 und größer – für Gemeinschaftsverpflegung im industriellen Maßstab
Die Nenngröße legt gleichzeitig die Mindestanforderungen an Schlammfangvolumen und Fettspeichervolumen fest (dazu mehr weiter unten).
Die NS-Berechnung nach DIN EN 1825-2
Die Norm DIN EN 1825-2 (ergänzt durch die nationale Anwendungsnorm DIN 4040-100) definiert die Bemessungsformel für Fettabscheider:
NS = Qs × fd × ft × fr
Jeder Faktor steht für eine spezifische Randbedingung Ihres Betriebs:
| Faktor | Bedeutung | Typischer Wert |
|---|---|---|
| Qs | Maßgebender Schmutzwasserabfluss in l/s | Betriebsabhängig (Ermittlung s. u.) |
| fd | Dichtefaktor der abzuscheidenden Fette/Öle | 1,0 (Standardfette/Pflanzenöle); abweichend bei besonders leichten oder schweren Fetten |
| ft | Temperaturfaktor des Abwassers | 1,0 bei ≤ 60 °C; 1,3 bei > 60 °C |
| fr | Faktor für Reinigungs- und Spülmittel | 1,0 ohne Mittel; 1,3 mit Reinigungs-, Desinfektions- oder Spülmitteln |
Wie ermitteln Sie Qs?
Die Norm sieht zwei Verfahren vor – maßgebend ist das Ergebnis, das den größeren Wert liefert:
- Verfahren über den Wasserverbrauch / Essenszahl: Aus dem täglichen Wasserverbrauch oder der Anzahl zubereiteter Mahlzeiten wird ein rechnerischer Spitzendurchfluss abgeleitet.
- Verfahren über die Ablaufwerte der angeschlossenen Geräte: Alle an den Abscheider angeschlossenen Geräte (Spülmaschinen, Kochkessel, Becken …) werden mit ihren jeweiligen Nenn-Abflusswerten summiert. Dabei wird ein Gleichzeitigkeitsfaktor berücksichtigt.
In der Praxis liefert die Summation der Geräteabflüsse häufig den maßgebenden Wert. Ihr Fachplaner kennt die normativen Gleichzeitigkeiten für Ihre Betriebsart.
Schritt für Schritt: Nenngröße berechnen
Das folgende Beispiel zeigt die Vorgehensweise anhand eines mittleren Restaurants mit etwa 80 Sitzplätzen und zwei Serviceschichten täglich. Die Werte sind plausible Orientierungsgrößen – kein Planungsersatz.
Ausgangssituation:
- Angeschlossene Geräte: 1 Hauben-Spülmaschine (Abfluss 1,5 l/s), 2 Vorspülbecken (je 0,5 l/s), 1 Kochkessel (0,8 l/s), 1 Fritteuse-Reinigungsanschluss (0,3 l/s)
- Abwassertemperatur: ca. 55 °C → ft = 1,0
- Handelsübliche Spülmittel werden eingesetzt → fr = 1,3
- Standardpflanzenöle/-fette → fd = 1,0
Schritt 1: Qs ermitteln
Summe der Geräteabflüsse (vereinfacht, ohne normativen Gleichzeitigkeitsfaktor): 1,5 + 0,5 + 0,5 + 0,8 + 0,3 = 3,6 l/s
Realistischerweise arbeiten nicht alle Geräte gleichzeitig auf Volllast. Ein Fachplaner würde hier den normativen Gleichzeitigkeitsbeiwert anwenden und gegebenenfalls auf ca. 2,5–3,0 l/s kommen. Wir rechnen hier orientierungshalber mit Qs = 3,0 l/s.
Schritt 2: NS berechnen
NS = 3,0 × 1,0 × 1,0 × 1,3 = 3,9
Schritt 3: Auf nächste verfügbare Nenngröße aufrunden
NS 3,9 liegt zwischen NS 2 und NS 4. Da stets aufgerundet werden muss, ist hier NS 4 die kleinstmögliche normgerechte Wahl. Angesichts möglicher Betriebserweiterungen würden viele Planer in diesem Fall direkt NS 7 empfehlen.
Orientierungstabelle: Betriebsart → typische Nenngröße
Die folgende Tabelle gibt grobe Anhaltswerte für häufige Betriebstypen. Sie ersetzt keine individuelle Berechnung – die tatsächliche NS hängt von Gerätekonstellation, Wasserverbrauch und lokalen Vorgaben ab.
| Betriebsart | Typische Nenngröße (Orientierung) | Hinweis |
|---|---|---|
| Imbiss / Snackbar (klein, < 30 Sitzplätze) | NS 1 – NS 4 | Geringer Durchsatz, oft wenige Großgeräte |
| Restaurant (mittel, 50–120 Sitzplätze) | NS 4 – NS 10 | Spülmaschine und Gleichzeitigkeit entscheidend |
| Hotelrestaurant / À-la-carte mit Event | NS 7 – NS 15 | Spitzenlastzeiten beachten |
| Hotelküche / Großküche (> 200 Essen/Tag) | NS 10 – NS 20 | Kombidämpfer, Bandspüler erhöhen Qs deutlich |
| Kantine / Gemeinschaftsverpflegung | NS 15 – NS 30+ | Zahl der Mahlzeiten pro Tag ist Leitgröße |
| Metzgerei / Fleischerei | NS 2 – NS 7 | Hoher Fettanteil, fd und fr sorgfältig prüfen |
| Bäckerei / Konditorei | NS 2 – NS 7 | Fritierfett und Backfett → fd ggf. anpassen |
| Catering-Zentralküche | NS 15 – NS 40+ | Immer Fachplanung erforderlich |
Schlammfang und Volumen
Die Nenngröße bestimmt nicht nur den erlaubten Durchfluss, sondern auch die Mindestvolumina der beiden Kammern:
- Schlammfang (Vorraum): Hier setzen sich Sinkstoffe (Knochen, Speisereste, Sand) ab, bevor das Wasser den eigentlichen Abscheider erreicht. Das Mindestvolumen ist normativ an die Nenngröße gekoppelt (nach DIN EN 1825-1 üblicherweise das 100-fache der NS in Litern, bei hohem Schlammanfall das 200-fache; maßgeblich sind Norm und Herstellerangaben).
- Fettspeichervolumen (Abscheideraum): Das Volumen, das für gespeichertes Fett zwischen zwei Entsorgungsterminen zur Verfügung steht. Ist dieses zu knapp, muss öfter entsorgt werden – was die Betriebskosten erhöht.
Regelmäßige Entsorgungsnachweise, Eigenkontrollmessungen und die lückenlose Dokumentation sind übrigens zentrale Funktionen des FettCheck-Betriebstagebuchs – damit behalten Sie Intervalle, Befunde und Behördenanforderungen stets im Blick.
Häufige Fehler bei der Dimensionierung
- Zu kleine Nenngröße gewählt: Der häufigste Fehler. Oft werden nur die „Hauptgeräte" addiert und Becken oder Anschlüsse vergessen.
- Temperaturfaktor ignoriert: Wer Kombidämpfer oder Kochkessel mit Heißablass direkt anschließt, riskiert Abwassertemperaturen über 60 °C. Dann greift ft = 1,3 – und die errechnete NS steigt um 30 %.
- Reinigungs- und Spülmittel nicht berücksichtigt: Tenside in Spül- und Reinigungsmitteln senken die Oberflächenspannung des Wassers und erschweren die Fettabscheidung erheblich. fr = 1,3 ist bei gewerblicher Nutzung in aller Regel zwingend.
- Betriebserweiterung nicht eingeplant: Eine neue Fritteuse, ein größerer Spüler oder mehr Sitzplätze können die erforderliche NS eine ganze Stufe nach oben verschieben. Einen Umbau im laufenden Betrieb möchte niemand.
- Gleichzeitigkeitsfaktoren ignoriert: Wer alle Geräte einfach addiert, ohne normative Gleichzeitigkeiten anzuwenden, überdimensioniert unnötig – oder unterschätzt reale Spitzenlasten falsch.
- Lokale Abwassersatzung nicht konsultiert: Manche Kommunen schreiben abweichende oder strengere Mindestgrößen vor. Immer zuerst bei der zuständigen Behörde nachfragen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen DIN EN 1825 und DIN 4040-100?
DIN EN 1825 ist die europäische Norm, die in zwei Teile gegliedert ist: Teil 1 regelt die Anforderungen an Bau und Prüfung der Abscheider, Teil 2 befasst sich mit Auswahl, Einbau, Betrieb und Wartung. DIN 4040-100 ist die nationale Ergänzungsnorm für Deutschland und konkretisiert Anforderungen an Betrieb, Wartung und Eigenkontrolle. Beide Normen gelten parallel und ergänzen sich.
Muss ich den Fettabscheider bei einer Betriebserweiterung neu berechnen lassen?
Ja, in der Regel schon. Sobald sich die Zahl der angeschlossenen Geräte, der Wasserverbrauch oder die Produktionsmenge wesentlich ändert, ist eine Nachbemessung erforderlich. Wenden Sie sich an Ihren Fachplaner und informieren Sie die zuständige Behörde – andernfalls kann die Betriebsgenehmigung gefährdet sein.
Kann ich einen zu kleinen Abscheider einfach durch einen größeren ersetzen?
Grundsätzlich ja, aber der Austausch muss genehmigt und fachgerecht durchgeführt werden. In vielen Fällen ist eine erneute Abnahme durch die Behörde vorgeschrieben. Planen Sie solche Maßnahmen frühzeitig, um Betriebsunterbrechungen zu minimieren.
Zählt eine Spülmaschine für den NS-Wert anders als ein Handwaschbecken?
Ja. Relevante Abflussstellen sind nur solche, die fettbelastetes Abwasser ableiten. Reine Handwaschbecken fließen in der Regel nicht in die NS-Berechnung ein. Spülmaschinen, Kochkessel, Frittierstationen und Vorbereitungsbecken dagegen schon – und oft liefern sie die Spitzenwerte.
Wie oft muss ein Fettabscheider entleert werden?
Die Anlage muss entleert und gereinigt werden, sobald das zulässige Fett- bzw. Schlammspeichervolumen erreicht ist – in der Praxis bei gastronomischen Betrieben häufig monatlich. Die genauen Intervalle gibt Ihre kommunale Satzung bzw. der Genehmigungsbescheid vor; sie sind im Betriebstagebuch zu dokumentieren.
Was kostet die falsche Dimensionierung im Worst Case?
Neben behördlichen Auflagen (bis zur Betriebsuntersagung) kann ein überlaufender oder ineffektiver Abscheider zu Kanalverstopfungen, Geruchsbelästigungen für Nachbarn und erheblichen Haftungsansprüchen führen. Die Kosten einer Nachdimensionierung übersteigen die einer korrekten Erstplanung in fast allen Fällen deutlich.
Kostenlose Betriebstagebuch-Vorlage (PDF)
12 Monats-Eigenkontrollen, Entsorgungsnachweise mit AVV-Schlüssel und Wartungsprotokoll — druckfertig nach DIN 4040-100.
Jetzt kostenlos herunterladen